Fallbeispiel: Proximale Fesselträger-Problematik (Pferd)
In diesem Fallbeispiel wird ein 9‑jähriges Western‑Performance‑Pferd vorgestellt, das an einer chronischen Lahmheit im Bereich des proximalen Fesselträgers leidet. Die Diagnose wird klinisch und mittels Ultraschall gestellt, bevor ein multimodaler Behandlungsplan erarbeitet wird. Dieser umfasst Schonung, kontrollierten Trainingsaufbau und systemische Schmerzmedikation; je nach Befund kommen plättchenreiches Plasma (PRP) und die extrakorporale Stosswellentherapie (ESWT) hinzu.
Warum ist ESWT bei Fesselträger-Problemen sinnvoll?
Die proximale Fesselträger-Problematik ist eine häufige Ursache für Leistungsabfall und Lahmheit beim Sportpferd. Neben Trainingsanpassung, Physiotherapie und ggf. regenerativen Verfahren wird Stosswellentherapie oft als Teil eines multimodalen Behandlungskonzepts eingesetzt.
Eine prospektive, randomisierte Studie bei Western-Performance-Pferden verglich Stosswellentherapie mit PRP (Eigenbluttherapie). Kurzfristig zeigte die ESWT-Gruppe eine deutlichere Verbesserung der Lahmheit. Nach einem Jahr war die Wahrscheinlichkeit, wieder im Training eingesetzt werden zu können, in der ESWT-Gruppe höher. Gleichzeitig zeigte sich, dass der Ultraschallbefund helfen kann, die Therapie individuell anzupassen (Giunta et al., 2019).
Behandlungsprotokoll:
Übersichtsarbeiten empfehlen drei Sitzungen fokussierter ESWT mit 500–1 500 Impulsen pro Termin bei einer Energieflussdichte von 0,14–0,15 mJ/mm² (Qiu et al., 2025). Die Stosswellen werden unter Ultraschallkontrolle auf den medialen, lateralen sowie palmar/plantaren Anteil des Fesselträgers fokussiert. Bei akuten Verletzungen erfolgen die Behandlungen alle 1–2 Wochen, bei chronischen Fällen alle 2–3 Wochen (Qiu et al., 2025).
Klinische Ergebnisse:
In einer prospektiven, randomisierten Studie mit Western‑Performance‑Pferden wurde ESWT mit PRP verglichen. Die ESWT‑Gruppe wies vier Tage nach der ersten Behandlung eine stärkere Lahmheitsverbesserung auf; nach einem Jahr war die Wahrscheinlichkeit, wieder ins Training zurückzukehren, 3,8‑mal höher als in der PRP‑Gruppe (Giunta et al., 2019). Die Autor:innen verweisen jedoch auf die kleine Fallzahl und betonen, dass langfristige Vorteile noch unklar sind (Giunta et al., 2019).
Monitoring:
Aufgrund der kurzfristigen schmerzlindernden Wirkung kann eine zu frühe Belastung zu Rückfällen führen. Vor der Rückkehr in den Sport ist eine Ultraschallkontrolle des Fesselträgers erforderlich, und ein schrittweiser Trainingsplan sollte unter tierärztlicher Aufsicht umgesetzt werden (Qiu et al., 2025).
Fazit
Die extrakorporale Stosswellentherapie kann bei proximalen Fesselträgerläsionen des Pferdes eine sinnvolle ergänzende Behandlungsoption innerhalb eines multimodalen Therapiekonzepts darstellen. Studien zeigen, dass ESWT kurzfristig zu einer Reduktion der Lahmheit führen kann und möglicherweise die Rückkehr zur sportlichen Nutzung unterstützt (Giunta et al., 2019; Qiu et al., 2025). Entscheidend für den Behandlungserfolg sind jedoch eine sorgfältige Diagnostik, ein strukturierter Rehabilitationsplan sowie eine regelmässige Verlaufskontrolle mittels klinischer Untersuchung und Ultraschall. ESWT ersetzt weder Trainingsmanagement noch weitere therapeutische Massnahmen, kann jedoch als nicht-invasive Zusatztherapie zur Unterstützung der Heilungsprozesse beitragen.










