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Stosswellentherapie
In der Veterinärmedizin

 Diese Seite vermittelt Ihnen einen strukturierten Überblick zur Stosswellentherapie (Extrakorporale Shockwave‑Therapie, ESWT) bei Pferden und Kleintieren. Sie basiert auf aktuellen Publikationen, dient der Information und ersetzt keine veterinärmedizinische Diagnose.  
 

Was ist Stosswellentherapie?

Extrakorporale Stosswellentherapie (ESWT) ist eine nicht-invasive physikalische Behandlung, bei der hochenergetische akustische Impulse über einen Applikator durch die Haut in das Zielgewebe eingebracht werden. In der Veterinärmedizin wird ESWT vor allem bei muskuloskelettalen Problemen eingesetzt – von Sehnen-/Bandläsionen bis zu Arthrose-Schmerzsyndromen. Zahlreiche Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse, aber die Evidenz ist je nach Indikation unterschiedlich stark: ESWT wird als ergänzende Therapie verwendet und ersetzt keine chirurgischen Eingriffe oder Rehabilitationsprogramme 

Bei dieser Therapie unterscheidet man zwischen zwei Hauptformen:

Radiale Stosswellen
  • Wirkung: Breiten sich radial vom Applikator im Gewebe aus
  • Eindringtiefe: 3-5 cm
  • Anwendungsbereiche: Vor allem für oberflächliche Gewebeschichten, wie Muskelverspannungen, Sehnenentzündungen und oberflächliche Verkalkungen.
Fokussierte Stosswellen
  • Wirkung: Dringen punktuell in grössere Tiefen vor
  • Eindringtiefe: bis zu 12 cm
  • Anwendungsbereiche: Geeignet für tieferliegende Erkrankungen, wie tief liegende Sehnen- und Banderkrankungen und Gelenknahe Probleme

 

Wie wirkt ESWT in der Veterinärmedizin?

Die genauen Mechanismen sind je nach Gewebe und Indikation unterschiedlich – in der Literatur werden u. a. genannt:

    • Analgesie (Schmerzmodulation):  ESWT kann kurzfristig Schmerzen reduzieren, was die Reha erleichtert. Zu frühe Belastung sollte dennoch vermieden werden. 
    • Mechanotransduktion:  Durch die mechanischen Impulse werden Zellantworten und Heilungsprozesse angeregt (z. B. Modulation von Entzündung, Förderung der Angiogenese und Matrix‑Remodelling). 
    • Bindegewebe-/Ligamentheilung: Studien aus der Pferdemedizin zeigen, dass ESWT die Organisation von Kollagenfasern, die Matrixzusammensetzung und die lokale Freisetzung von Wachstumsfaktoren beeinflussen kann. 

Wichtige Anwendungbereiche beim Pferd

 Bei Pferden wird ESWT häufig als Bestandteil eines multimodialen Therapieansatzes verwendet, insbesondere bei:

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Sehnen- & Bandverletzung (Fesselträger-Desmitis)
Studien berichten eine Reduktion von Schmerzen und eine Unterstützung der Heilung
Pferd_Tendinopathie
Tendinopathien und Überlastungsschäden

Bei chronischen Sehnenüberlastungen kann ESWT die lokale Durchblutung und Gewebereparatur stimulieren und wird meist in Kombination mit kontrollierter Rehabilitation angewendet.

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Rückenproblematik (thorakolumbale Schmerzen)

ESWT kann bei Rückenschmerzen des Pferdes eine kurzfristige schmerzlindernde Wirkung haben und die Bewegungsqualität im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzepts verbessern.

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Osteoarthritis

Bei degenerativen Gelenkerkrankungen kann ESWT zur Reduktion von Lahmheit und Schmerzen beitragen und die Funktion des betroffenen Gelenks verbessern 

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Navikuläres Syndrom

 Beim navikulären Syndrom wird ESWT eingesetzt, um Schmerzen zu verringern und die Belastbarkeit zu verbessern, meist in Kombination mit Huf- und Trainingsmanagement.

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Kissing-Spine-Syndrom (impingierende Dornfortsätze)

Beim Kissing-Spine-Syndrom kann ESWT als ergänzende Therapie eingesetzt werden, um Schmerzen im thorakolumbalen Bereich zu reduzieren und die Bewegungsqualität zu verbessern, meist in Kombination mit Trainingstherapie und weiterem Management

Fallbeispiel: Proximale Fesselträger-Problematik (Pferd)

 

 In diesem Fallbeispiel wird ein 9‑jähriges Western‑Performance‑Pferd vorgestellt, das an einer chronischen Lahmheit im Bereich des proximalen Fesselträgers leidet. Die Diagnose wird klinisch und mittels Ultraschall gestellt, bevor ein multimodaler Behandlungsplan erarbeitet wird. Dieser umfasst Schonung, kontrollierten Trainingsaufbau und systemische Schmerzmedikation; je nach Befund kommen plättchenreiches Plasma (PRP) und die extrakorporale Stosswellentherapie (ESWT) hinzu. 

Warum ist ESWT bei Fesselträger-Problemen sinnvoll?

Die proximale Fesselträger-Problematik ist eine häufige Ursache für Leistungsabfall und Lahmheit beim Sportpferd. Neben Trainingsanpassung, Physiotherapie und ggf. regenerativen Verfahren wird Stosswellentherapie oft als Teil eines multimodalen Behandlungskonzepts eingesetzt.

Eine prospektive, randomisierte Studie bei Western-Performance-Pferden verglich Stosswellentherapie mit PRP (Eigenbluttherapie). Kurzfristig zeigte die ESWT-Gruppe eine deutlichere Verbesserung der Lahmheit. Nach einem Jahr war die Wahrscheinlichkeit, wieder im Training eingesetzt werden zu können, in der ESWT-Gruppe höher. Gleichzeitig zeigte sich, dass der Ultraschallbefund helfen kann, die Therapie individuell anzupassen (Giunta et al., 2019).

Behandlungsprotokoll:

Übersichtsarbeiten empfehlen drei Sitzungen fokussierter ESWT mit 500–1 500 Impulsen pro Termin bei einer Energieflussdichte von 0,14–0,15 mJ/mm² (Qiu et al., 2025). Die Stosswellen werden unter Ultraschallkontrolle auf den medialen, lateralen sowie palmar/plantaren Anteil des Fesselträgers fokussiert. Bei akuten Verletzungen erfolgen die Behandlungen alle 1–2 Wochen, bei chronischen Fällen alle 2–3 Wochen (Qiu et al., 2025).

Klinische Ergebnisse:

In einer prospektiven, randomisierten Studie mit Western‑Performance‑Pferden wurde ESWT mit PRP verglichen. Die ESWT‑Gruppe wies vier Tage nach der ersten Behandlung eine stärkere Lahmheitsverbesserung auf; nach einem Jahr war die Wahrscheinlichkeit, wieder ins Training zurückzukehren, 3,8‑mal höher als in der PRP‑Gruppe (Giunta et al., 2019). Die Autor:innen verweisen jedoch auf die kleine Fallzahl und betonen, dass langfristige Vorteile noch unklar sind (Giunta et al., 2019).

Monitoring:

Aufgrund der kurzfristigen schmerzlindernden Wirkung kann eine zu frühe Belastung zu Rückfällen führen. Vor der Rückkehr in den Sport ist eine Ultraschallkontrolle des Fesselträgers erforderlich, und ein schrittweiser Trainingsplan sollte unter tierärztlicher Aufsicht umgesetzt werden (Qiu et al., 2025).

Fazit

Die extrakorporale Stosswellentherapie kann bei proximalen Fesselträgerläsionen des Pferdes eine sinnvolle ergänzende Behandlungsoption innerhalb eines multimodalen Therapiekonzepts darstellen. Studien zeigen, dass ESWT kurzfristig zu einer Reduktion der Lahmheit führen kann und möglicherweise die Rückkehr zur sportlichen Nutzung unterstützt (Giunta et al., 2019; Qiu et al., 2025). Entscheidend für den Behandlungserfolg sind jedoch eine sorgfältige Diagnostik, ein strukturierter Rehabilitationsplan sowie eine regelmässige Verlaufskontrolle mittels klinischer Untersuchung und Ultraschall. ESWT ersetzt weder Trainingsmanagement noch weitere therapeutische Massnahmen, kann jedoch als nicht-invasive Zusatztherapie zur Unterstützung der Heilungsprozesse beitragen. 

Wichtige Anwendungbereiche beim Kleintier

 Bei Kleintieren wird ESWT häufig als Bestandteil eines multimodialen Therapieansatzes verwendet, insbesondere bei:

Hund_Osteoarthritis
Osteoarthritis
Bei Kleintieren wird ESWT vor allem als ergänzende Therapie eingesetzt, beispielsweise bei 
Hund_Postop
Postoperative Rehabilitation (z.B. nach TPLO)

Nach orthopädischen Eingriffen wie einer TPLO kann ESWT die frühe Belastung und funktionelle Nutzung der operierten Gliedmaße unterstützen und wird daher teils als Bestandteil der Rehabilitation eingesetzt

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Sehnen- und Bandverletzungen

Bei Sehnen- und Bandläsionen kann ESWT zur Schmerzlinderung und Unterstützung von Heilungsprozessen beitragen und wird häufig mit Physiotherapie und kontrolliertem Belastungsaufbau kombiniert.

Lumbosakral_Hund
Lumbosakrale Schmerzsyndrome

Bei lumbosakralen Schmerzsyndromen kann ESWT eine nicht-invasive Ergänzung zur Schmerztherapie sein und kurzfristig zur Reduktion von Schmerzen und Verbesserung der Funktion beitragen.

Stosswellentherapie beim Hund nach Kreuzband-OP: Unterstützung in der TPLO-Rehabilitation 

Ausgangssituation

Nach einer Kreuzbandoperation (TPLO) steht bei Hunden vor allem eines im Fokus: eine sichere Heilung und der kontrollierte Wiederaufbau der Belastbarkeit. In dieser frühen Rehabilitationsphase können Schmerzen, Muskelabbau und Schonhaltung den Heilungsverlauf beeinflussen.

Neben Physiotherapie und strukturiertem Bewegungsaufbau wird in der modernen Tierorthopädie zunehmend auch die Stosswellentherapie beim Hund als ergänzende Reha-Massnahme eingesetzt.

Warum Stosswellentherapie nach einer TPLO?

Die extrakorporale Stosswellentherapie (ESWT) wird nach orthopädischen Operationen eingesetzt, um Schmerzen zu modulieren und die Funktion der operierten Gliedmasse zu unterstützen. Ziel ist nicht, die Operation zu ersetzen, sondern die Rehabilitation nach Kreuzband-OP beim Hund zu optimieren.

Studien zeigen, dass Hunde, die nach einer TPLO zusätzlich Stosswellentherapie erhalten, in den ersten Wochen eine bessere Belastung der operierten Hintergliedmasse zeigen können. In einer randomisierten Studie wurde ESWT direkt nach der Operation sowie nach zwei und vier Wochen durchgeführt. Die Behandlung war sicher, gut verträglich und konnte ohne Sedation erfolgen. Nach vier Wochen zeigte sich in der objektiven Ganganalyse eine verbesserte Lastaufnahme der operierten Gliedmasse (Campbell et al., 2025).

Eine weitere klinische Studie weist darauf hin, dass Stosswellentherapie auch die Knochenheilung nach Osteotomie unterstützen kann, was sich in besseren radiologischen Heilungsscores nach acht Wochen zeigte (Kieves et al., 2015).

Behandlungsprotokoll:

In einem randomisierten, verblindeten Versuch erhielten Hunde unmittelbar postoperativ sowie nach zwei und vier Wochen fokussierte Schockwellen mit einem piezoelektrischen Gerät (Campbell et al., 2025). Das Gerät liefert eine maximale Energieflussdichte von 0,22 mJ/mm² und kann ohne Sedation angewendet werden; alle Hunde tolerierten die Behandlung ohne Nebenwirkungen (Campbell et al., 2025).

Klinische Ergebnisse:

Die objektive Ganganalyse zeigte vier Wochen postoperativ eine signifikant bessere Gewichtsaufnahme der operierten Hintergliedmasse bei den ESWT‑behandelten Hunden gegenüber der Sham‑Gruppe (Campbell et al., 2025). Subjektive Bewertungen der Besitzer und radiologische Heilungsparameter unterschieden sich jedoch nicht signifikant zwischen den Gruppen (Campbell et al., 2025). Die Autor:innen schlussfolgern, dass ESWT die frühe Funktion unterstützt, aber andere Rehabilitationsmassnahmen nicht ersetzt.

Praxisrelevante Hinweise:

Die ESWT‑Behandlungen konnten ohne Sedation durchgeführt werden; für radiologische Kontrolluntersuchungen war hingegen eine kurze Sedation erforderlich (Campbell et al., 2025). Postoperatives Schmerzmanagement, Antibiotikatherapie und kontrollierte Leinenführung bleiben essenziell. ESWT wird als ergänzender Baustein eingesetzt und ersetzt weder die Operation noch die konsequente physiotherapeutische Nachsorge (Campbell et al., 2025; Kieves et al., 2015).

Fazit

Bei Hunden nach Kreuzbandoperation (TPLO) kann die Stosswellentherapie als ergänzende Massnahme in der frühen Rehabilitationsphase eingesetzt werden. Randomisierte Studien zeigen, dass ESWT die Belastung der operierten Gliedmasse in den ersten Wochen postoperativ verbessern kann, ohne relevante Nebenwirkungen zu verursachen (Campbell et al., 2025). Gleichzeitig sind radiologische Heilungsparameter und subjektive Schmerzbewertungen nicht in allen Studien signifikant verändert, weshalb ESWT als unterstützender Bestandteil eines umfassenden Reha-Programms zu verstehen ist. Der Behandlungserfolg hängt wesentlich von einem kontrollierten Belastungsaufbau, physiotherapeutischen Massnahmen und der regelmässigen tierärztlichen Nachkontrolle ab. 

Literaturverzeichnis:

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Systematic review of complementary and alternative veterinary medicine in sport and companion animals: Extracorporeal shockwave therapy. Animals, 12(22), 3124.
https://doi.org/10.3390/ani12223124

Campbell, S. L., Franklin, A. L., & Franklin, S. P. (2025).
Blinded, randomized, sham-controlled clinical trial assessing the efficacy of a piezoelectric extracorporeal shockwave device following TPLO. Frontiers in Veterinary Science, 12, 1600116.
https://doi.org/10.3389/fvets.2025.1600116

Frisbie, D. D., Kawcak, C. E., & McIlwraith, C. W. (2009).
Evaluation of the effect of extracorporeal shock wave treatment on experimentally induced osteoarthritis in middle carpal joints of horses. American Journal of Veterinary Research, 70(4), 449–454.
https://doi.org/10.2460/ajvr.70.4.449

Giunta, K., Donnell, J. R., Donnell, A. D., & Frisbie, D. D. (2019).
Prospective randomized comparison of platelet-rich plasma to extracorporeal shockwave therapy for proximal suspensory pain in western performance horses. Research in Veterinary Science, 126, 38–44.
https://doi.org/10.1016/j.rvsc.2019.07.020

Johnson, S. A., Richards, R. B., Frisbie, D. D., Esselman, A. M., & McClure, S. R. (2023).
Equine shock wave therapy—Where are we now? Equine Veterinary Journal, 55(4), 593–606.
https://doi.org/10.1111/evj.13890

Kieves, N. R., MacKay, C. S., Adducci, K., Rao, S., Goh, C., Palmer, R. H., & Duerr, F. M. (2015).
High-energy focused shock wave therapy accelerates bone healing: A blinded, prospective, randomized canine clinical trial. Veterinary and Comparative Orthopaedics and Traumatology, 28(6), 425–432.
https://doi.org/10.3415/VCOT-15-05-0084

Qiu, Z., Wang, Y., Zhang, Y., Liu, S., Wei, X., & Ma, Y. (2025).
Extracorporeal shock wave therapy for equine musculoskeletal disorders: From biological mechanisms to clinical applications. Frontiers in Veterinary Science, 12, 1719123.
https://doi.org/10.3389/fvets.2025.1719123

Informationsblatt

Erfahren Sie mehr zum Einsatz von Stosswellentherapie

Die extrakorporale Stosswellentherapie ist aus der modernen veterinärmedizinischen Orthopädie, Sportmedizin und Rehabilitation kaum mehr wegzudenken. Sie wird bei Pferden und Kleintieren unter anderem bei muskuloskelettalen Beschwerden, im Leistungs- und Arbeitstierbereich sowie im Rahmen von Schmerz- und Rehakonzepten eingesetzt und kann Heilungsprozesse sowie funktionelle Verbesserungen unterstützen.

Dieses Informationsblatt zur Stosswellentherapie in der Veterinärmedizin gibt einen strukturierten Überblick über häufige Anwendungsbereiche bei Pferd und Kleintier sowie über mögliche Vorteile für tierärztliche Praxen, Kliniken und rehabilitative Behandlungskonzepte.

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Kundenstimmen

Die extrakorporale Stosswellentherapie ist in der tierärztlichen Rehabilitation in kurzer Zeit zu einer der beliebtesten Therapieformen geworden. 

Dr. Narda G. RobinsonTierärztin und Reha-Spezialistin

Die Stosswellentherapie ist eine nicht-invasive Therapieform und wird in der Pferdemedizin vor allem bei chronischen Sehnen- und Bandproblemen sowie orthopädischen Erkrankungen eingesetzt.

Dr. Catharina LangePferdetierärztin

Die Stosswellentherapie beim Pferd führt häufig zu schneller Schmerzlinderung und zu einer Verbesserung des Wohlbefindens sowie zu einer schnelleren Trainingswiederaufnahme. 

Dr. Nina RödigFachtierärztin für Pferde

Die ambulante Stosswellentherapie ist unkompliziert am stehenden Pferd durchführbar, und auch bei vorsichtiger Prognose sehen wir gute Erfolge. 

Dr. Elena BattagionPferdetierärztin